Politisches Bewusstsein auf Kuba

Das Proyecto Tamara Bunke ist aktuell pausiert. Hintergründe hierzu findet ihr hier. Der Blog wird deshalb aktuell mit Berichten aus den Kuba-Brigaden welche die SDAJ im Sommer 2023 durchgeführt hat sowie weiteren Artikeln bespielt. Das geplante Datum für eine Weiterführung des Proyectos ist der September 2024. Falls ihr Interesse daran habt, zu diesem oder einem späteren Datum am Proyecto teilzunehmen, könnt ihr uns gerne über dieses Formular kontaktieren.

Ich möchte gerne über einen Eindruck berichten, den ich in den verschiedenen Gesprächen
gewonnen habe, als wir mit der 2. Brigade in Havanna unterwegs waren.
Das was mich an vielen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Leuten besonders
beeindruckt hat ist, dass jede und jeder ein sehr großes Verständnis über politische
Zusammenhänge hatte und das eine große Einsicht darüber besteht das nur der Sozialismus
die Errungenschaften Kubas, seine Unabhängigkeit sicherstellen kann.
Diese Beobachtung, die ich an drei kleinen Geschichten bildhaft darstellen möchte, steht auch
exemplarisch für die Errungenschaften der kubanischen Revolution, besonders auch, welcher
großer Wert auf Bildung und Information gelegt wird. Ohne diesen offenen Umgang über die
Probleme Kubas und besonders seine Hintergründe, wäre die Revolution nicht seid mehr als
60 Jahren von den Massen getragen worden.
Das erste sehr berührende Beispiel war eine Medizinerin, die wir nach unserem Besuch in
einem Krankenhaus, genauer in einer Kinderkrankenstation hatten. Wir begegneten im
Herausgehen einer Ärztin, die uns berichtete, dass sie als Helferin mehrere Jahre in
afrikanischen Ländern gearbeitet hatte und was sie dazu motivierte. Sie meinte, unsere
Beweggründe seien ähnlich wie ihre gewesen: der Wille, anderen Völkern zu helfen, das
Bekämpfen von Armut, der Wunsch, für den Sozialismus zu arbeiten. Wir erzählten ihr, dass
im Westen des Öfteren erzählt wird, dass diese Ärztebrigaden Menschenhandel betreiben
würden. Dies ärgerte sie sichtlich und sie bekräftigte, dass weder Geld noch Zwang der Grund
dieser Brigaden seien, sondern eben ihr Internationalismus und dass es auch unsere Aufgabe
ist, diese Informationen zu verbreiten.
Die zweite kleine Anekdote kommt aus einem Jugendzentrum, dass wir besucht haben. Dort
hatte ich die Chance, mit einer Schülerin zu sprechen, die dort gern ihre Nachmittage
verbringt. Sie erzählte uns, dass sie einmal Biologie in Deutschland studieren möchte. Sie
erzählte uns aber auch, dass sie es sehr schade findet, das auch viele ihrer eigenen
Freundinnen und Freunde Kuba für die USA verlassen. Sie meinte, dass sie weiß, das dies
nicht unbedingt eine Lösung darstellt. Dass das soziale System Kubas (Gesundheit, Bildung,
Transport und vieles mehr) besser ist als zum Beispiel das in den USA aber, dass es
eben auch reale Probleme gibt, die die Regierung im Moment nicht lösen kann, viele aufgrund
der US-Blockade. Und da, so meinte sie, greift dann auch Sozial Media. Unrealistische Bilder
werden über die USA verbreitet, welche bewusst dazu führen sollen, gut ausgebildete
Jugendliche anzuziehen.
Sie, so sagte sie am Ende, möchte Kuba wenn möglich nicht verlassen, und hofft, dass
die Blockade irgendwie aufhört.
Die letzte Geschichte ist uns passiert, als wir in der Altstadt von Havanna in einer Bank
anstanden, um Geld für die letzten paar Tage zu tauschen. Die Automaten waren immer
wieder mal ausgefallen, also war die Schlange um manuell Geld zu tauschen lang.
Mir ist aufgefallen, dass alle sehr diszipliniert gewartet haben, Leute die versuchten sich
vorzudrängeln sehr schnell zurechtgewiesen wurden und niemand besonders genervt oder
wütend wirkte. Ich habe also einen älteren Mann ein paar Fragen gestellt. Auf die Frage,
wieso alle so diszipliniert und respektvoll waren, meinte er, dass sie einerseits solche
Probleme gewohnt sind, aber andererseits, dass sie wissen, wie viele solcher Probleme,
Verlangsamungen und Anstrengungen von der Blockade ausgelöst sind, dass die Regierung
alles versucht um die Probleme zu lösen und dass es diese Mühen wert ist, um die
Errungenschaften der Revolution am Leben zu halten. Ich habe ihn außerdem gefragt, was
Fidel für ihn bedeutet, und er sagte, dass er ein Freund aller Völker war, den man heute sehr
gut gebrauchen könnte, und das er für seine Generation eher wie ein Freund als ein Anführer
war.
Dies waren nur einige prägnante Beispiele, die mir aufgezeigt haben, wie tief die Einsicht und
das Verständnis verschiedenster Menschen in politische Zusammenhänge ist, und wie der
beeindruckende Stolz und Kampfgeist der Kubaner trotz 60 Jahren Blockade dieses Land und
seine Errungenschaften am Leben erhalten hat.

Hannes, Göttingen

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