Du willst mitmachen?

Du möchtest Kuba und seine Gesellschaft authentisch kennenlernen und fragst dich, ob das Proyecto Tamara Bunke das Richtige für dich ist? Schön, dass du hier bist! Wir würden uns freuen, wenn du dir die Zeit für die folgenden Zeilen nehmen würdest! In diesem Beitrag findest du außerdem zwei Videos, die das Proyecto illustrieren.

Viele, die von unserem Projekt gehört haben oder hier über unseren Blog darauf gestoßen sind, können sich den Aufenthalt auf Kuba und was darüber hinaus das Proyecto ist, nicht konkret vorstellen. Und vielleicht treiben auch dich die folgenden Fragen um:

Ist es einfach ein Auslandssemester, in dem man Kurse besucht, für die Uni lernt und abends Party macht? Muss ich für eine Teilnahme Student sein, ein bestimmtes Alter haben oder gar Mitglied einer der das Proyecto tragenden Organisationen sein?

Im es vorwegzunehmen: Für eine Teilnahme am Proyecto Tamara Bunke musst du weder Student noch Mitglied in einer der Organisationen sein. Eine Teilnahme ist auch nicht an ein bestimmtes Alter geknüpft, wobei der Großteil der Teilnehmer:innen zwischen 18 und 28 Jahren ist. Auch weltanschaulich ist das Proyecto offen für alle, die unser Motto „Eine bessere Welt ist möglich!“ teilen und aus solidarischer Motivation sich ein eigenes Bild von Kuba machen wollen.

Mit den folgenden Zeilen wollen wir versuchen, das Proyecto Tamara Bunke ein bisschen leichter vorstellbar zu machen. In unseren FAQ findest du weitere Antworten auf häufige Fragen und natürlich freuen wir uns jederzeit über deine Kontaktaufnahme, um weitere Unklarheiten auszuräumen.

Die Geschichte des Proyecto Tamara Bunke

Das Proyecto entstand aus dem Wunsch von Teilnehmer:innen zweier Solidaritätsbrigaden der SDAJ, ihre Erfahrungen nach dem Motto „Auf Kuba von Kuba lernen“ auch anderen zu ermöglichen und dies über einen längeren Zeitraum, damit man richtig in den kubanischen Alltag eintauchen kann. Bis heute ist es Ziel des Proyecto Tamara Bunke, insbesondere jungen Menschen das Kennenlernen Kubas gesellschaftlicher Alternative zum Kapitalismus zu ermöglichen. Seit der ersten Proyecto-Gruppe 2014/2015 haben rund 80 junge und junggebliebene Menschen am Proyecto teilgenommen. Die Gruppengröße variiert immer etwas, aber meist sind es zwischen vier und acht Personen pro Gruppe. Eine Begrenzung nach oben oder ein strenges Auswahlverfahren gibt es nicht. Du meldest einfach deinen Teilnahmewunsch an und füllst ein Anmeldeformular aus, anschließend erhältst du die Einladung zu einem Vorbereitungswochenende mit allen potenziellen Teilnehmer:innen. Nachdem wir uns an diesem Wochenende etwas kennenlernen konnten, schauen beide Seiten, ob eine Teilnahme gewünscht ist und in aller Regel heißt es dann, dass die konkrete Vorbereitung beginnen kann.

Das Proyecto wird in Deutschland verantwortet von der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V. und der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ). Getragen wird es aber ganz wesentlich von den ehemaligen Teilnehmer:innen des Proyecto. Sie sind Ansprechpartner für Interessierte und bereiten die neuen Gruppen auf ihren Aufenthalt vor.

Benannt ist das Proyecto nach der Internationalistin Tamara Bunke, die – fasziniert von der Kubanischen Revolution – aus der DDR nach Kuba auswanderte, um dort am Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft mitzuwirken. Später wurde sie zur Agentin ausgebildet und fiel 1967 als Guerillera in Bolivien beim Versuch einer Gruppe von Guerilleros um Che Guevara dort eine Revolution zu entfachen.

Der Ablauf

Ein Kuba-Aufenthalt mit dem Proyecto Tamara Bunke beginnt im Februar oder September und führt zunächst für ein paar Tage an die Technische Universität Havannas, die CUJAE. Dort lernt die Gruppe Julián, den Projekt-Koordinator auf kubanischer Seite kennen, beantragt ihren kubanischen Ausweis für den temporären Aufenthalt, schreibt sich an der Uni ein für den Besuch der Kurse und erkundet Campus und Umgebung. Nach gewöhnlich gut einer Woche in Havanna geht es für die Gruppe für einen Monat auf die Isla de la Juventud. Dort besuchen alle, die nicht bereits ein hohes Spanischniveau haben, einen Sprachkurs, an dessen Ende alle B1-Niveau erreicht haben sollten. Fortgeschrittene können bereits einen inhaltlichen Kurs belegen. Untergebracht ist die Gruppe in einem Wohnheim in einem kleinen Ort namens La Demajagua. Nachmittags ist ein bisschen was für den Kurs zu tun, ansonsten habt ihr aber viel Zeit zum Entdecken der Umgebung, zur Erledigung von Einkäufen und natürlich um mit Kubaner:innen in Kontakt zu treten. Weil der Ort so klein ist und Ausländer eine absolute Seltenheit sind, lassen sich hier besonders leicht Kontakte knüpfen und ihr bekommt für einen Monat einen Einblick in das kubanische Landleben. An Wochenenden könnt ihr den ein oder anderen größeren Ausflug in die wunderschöne Natur der Isla de La Juventud unternehmen, an Strände fahren oder auch eine (leider kostspielige) Tauchexpedition machen. Außerdem tauscht ihr euch mit anderen Studierenden aus, besucht ein Altenheim, eine Finca und verschiedenen Institutionen.

Anschließend geht es wieder zurück nach Havanna auf den großen, grünen Campus der CUJAE, wo die Gruppe wieder in einem Wohnheim untergebracht wird. Hier könnt ihr günstig auf sehr einfachem Standard wohnen und habt viel Raum zum Einrichten. Eine Küche, einen Waschraum und einen Gemeinschaftsraum mit Bibliothek gibt es bereits, aber es ließe sich noch einiges verbessern und komfortabler gestalten… Auf dem Campus leben noch weitere gut 2000 Studierende, mit denen ihr euch connecten könnt, manchmal ist auch das Schwimmbecken geöffnet, es gibt zahlreiche Sportplätze und in Cafeterien bekommt ihr den ein oder anderen Snack. Direkt neben dem Campus, auf der von uns liebevoll genannten „Fressmeile“, bekommt ihr in Imbissbuden aber auch eine Auswahl verschiedener Speisen. Außerdem befinden sich in unmittelbarer Nähe verschiedene Einkaufsmöglichkeiten, ein kleines Fitnessstudio, eine Apotheke und ein Zeitungskiosk. Mit den regelmäßig, aber nicht nach festem Plan abfahrenden Bussen könnt ihr für umgerechnet sechs Cent in einer guten halben Stunde im Zentrum von Havanna sein.

Aber wie sieht die Tagesstruktur während der Zeit an der CUJAE in Havanna aus?

Gewöhnlich finden die Kurse zur Geschichte Kubas, Philosophie des Marxismus, Politische Ökonomie des Kapitalismus und des Sozialismus sowie soziale Probleme der Technik vormittags an den Werktagen im Gruppenverband statt. Innerhalb der Kursthemen orientieren sich die Professor:innen sehr an dem Wissensstand der Gruppe und ihren Wünschen und ihr besucht bereits einige Museen Havannas und andere Institutionen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, weitere Kurse aus dem Angebot der CUJAE zu belegen. Nachmittags und manchmal auch an Wochenenden besucht ihr als Gruppe die ein oder andere Veranstaltung, trefft Persönlichkeiten der kubanischen Gesellschaft und vieles mehr. Außerdem haltet ihr als Gruppe einmal in der Woche ein Plenum ab, in dem ihr Sachen besprecht, die euch als Gruppe betreffen und insbesondere auch Artikel-Entwürfe für den Blog diskutiert. In einem weiteren Plenum besprecht ihr einmal die Woche mit Julián, dem Proyecto-Koordinator auf kubanischer Seite, eure Fragen zu Kuba und anstehende Termine. Darüber hinaus plant Julián für jede Gruppe ein bis zwei größere Exkursionen über mehrere Tage, die bisherige Gruppen eigentlich immer nach Santa Clara und häufig auch nach Cabaíguan führten. Auf diesen Exkursionen werden Museen und Institutionen besucht, aber auch verschiedene Austauschrunden mit Kubaner:innen organisiert und ihr bekommt sehr viel Input. Wer Lust auf Exkursionen in die Natur mit anderen Studierenden hat, kann sich an der CUJAE an eine Gruppe wenden und hat vielleicht das Glück, während seines Aufenthalts ein, zwei mehrtägige Touren in bester Gesellschaft und schönster Natur zu verbringen. Grundsätzlich könnt ihr mit freien Wochenenden planen, an denen ihr entweder Havanna erkunden oder eigenständig in das Umland fahren könnt. Auch während der Woche sind meist mindestens zwei Nachmittage frei, in denen jeder auch außerhalb der Gruppe eigenen Interessen nachgehen kann. Schön ist, wenn gemachte Erfahrungen mit den anderen geteilt werden und alle von den Erfahrungen profitieren.

Wie bis hierhin deutlich geworden sein sollte, spielt die Gruppe und die solidarische Zusammenarbeit untereinander eine große Rolle beim Proyecto Tamara Bunke, aber es gibt auch Raum, sich zurückzuziehen und eigenständig etwas zu machen, sofern man es braucht oder möchte. Nach Beendigung der Kurse schreibt ihr anknüpfend an das Erlernte eine Abschlussarbeit zu einem Thema eures Interesses und erhaltet anschließend die Zertifikate. Teilnehmer:innen, die in ihrem Herkunftsland studieren, können sich die Kurse unter Umständen anrechnen lassen. Selbstverständlich habt ihr während eures Aufenthaltes auch ein bisschen Ferien (etwa drei bis vier Wochen), in denen ihr individuell reisen und andere Teile Kubas kennenlernen könnt. Wer vor hat, länger als sieben Monate mit dem Proyecto Tamara Bunke auf Kuba zu sein, den erwartet eine besondere Aufgabe: Statt weiterhin Kurse zu besuchen (was trotzdem auf Wunsch möglich ist), hilft man im Centro de Estudios Che Guevara kubanischen Historiker:innen bei der Arbeit mit den historischen Original-Dokumenten aus dem Leben von Tamara Bunke und leistet so einen Beitrag zur Erforschung des Lebens der Namensgeberin unseres Projektes.

Die Ziele des Proyectos

Die Teilnahme am Proyecto Tamara Bunke ist also nicht bloß ein Auslandssemester, sondern das Projekt hat einen politischen Charakter. Der Besuch der Kurse ist nicht nur die Voraussetzung für das akademische Visum, sondern die Kurse sollen die Möglichkeit geben, theoretische Grundlagen und Hintergründe des kubanischen Gesellschaftsmodells zu erlernen. Die zahlreichen Visiten, Veranstaltungen, Austauschtreffen und Exkursionen sowie sämtliche Alltagserfahrungen während der sieben Monate, sollen ein umfangreiches Erleben und Nachvollziehen der kubanischen Realität ermöglichen. Über den Blog und unsere Social-Media-Kanäle sollen interessierte Menschen in Deutschland an euren authentischen Kuba-Erfahrungen teilhaben können und bestenfalls kann so das ein oder andere verzerrte Kuba-Bild hierzulande gerade gerückt werden. Der Austausch insbesondere mit der kubanischen Jugend soll das Kennenlernen der unterschiedlichen Lebensrealitäten ermöglichen und soll zu einem realistischen Bild von der jeweils anderen Gesellschaft beitragen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass westliche, kapitalistische Gesellschaften mit ihrer Konsumkultur für junge Kubaner:innen in den neuen Medien häufig als Paradies erscheinen, ist dies ein auf Kuba geschätzter Beitrag des Proyecto dazu, dass Kuba weiterhin selbstbestimmt seinen Weg gehen kann.

Natürlich gibt es ein paar Voraussetzungen für die Teilnahme am Proyecto Tamara Bunke. Grundvoraussetzung ist neben einem gesellschaftspolitischen Interesse an Kuba, sich mindestens sieben Monate Zeit nehmen zu können und sich den Aufenthalt mitsamt den Flügen selbst finanzieren zu können. Eine Berechnung der Kosten findet ihr hier. Um tief in die kubanische Gesellschaft eintauchen zu können und den Kursen folgen zu können ist es unabdingbar, Spanisch zumindest halbwegs zu beherrschen. Deshalb setzen wir ein A2-Niveau nach dem europäischen Referenzrahmen in Spanisch für die Teilnahme voraus und testen dies auch auf dem Vorbereitungswochenende. Für wen das Vorherige abschreckend klingt: Ein A2-Niveau lässt sich erfahrungsgemäß durchaus in einem halben Jahr intensiven Lernens erreichen. Ein höheres Niveau ist allerdings empfehlenswert, um von Beginn an tiefergehende Unterhaltungen führen zu können und auf Kuba weniger Zeit mit Lernen verbringen zu müssen. Sämtliche Kommunikation auf Kuba und auch die Kurse finden auf Spanisch statt. Das akademische Visum, das Teilnehmer:innen des Proyecto Tamara Bunke für den Aufenthalt auf Kuba erhalten, ist gebunden an den Besuch der Kurse und schließt einen Aufenthalt zu vorrangig touristischen Zwecken aus. Wir legen großen Wert darauf, dass Teilnehmer:innen die Bereitschaft zur solidarischen Zusammenarbeit in der Gruppe mitbringen und durch das regelmäßige Schreiben von Artikeln eine Kontinuität auf unserem Blog sicherstellen.

Wir hoffen, dass wir dir eine etwas konkretere Vorstellung dessen geben konnten, was das Proyecto Tamara Bunke ist und wie deine Zeit auf Kuba ungefähr aussehen könnte. Wir freuen uns über deine Kontaktaufnahme und weitere Fragen!

2 Gedanken zu „Du willst mitmachen?“

  1. Gabriel Quarantelli

    Hallo,

    ich hätte Interesse daran an dem Projekt teilzunehmen. Ich bin 27 Jahre alt und derzeit noch Berufstätig.

    Was für Vorraussetzungen müssten da gegeben sein ?

    Mit freundlichen Grüßen

    Gabriel Quarantelli

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