Eins für alle: Das Bildungssystem in Kuba

Was macht ein gutes Bildungssystem aus? Wie wird in einem sozialistisch aufgebauten Land wie Kuba das Bildungssystem gefördert und weiterentwickelt? Dazu hatten wir die Möglichkeit, eine Schule zu besichtigen und uns mit kubanischen Pädagogen zu unterhalten.

Das erste Mal, dass wir mit dem Bildungssystem auf Kuba Kontakt hatten, war, als wir einen Morgenappell an einer Primar- und Sekundarstufe auf der Isla de la Juventud zu Gesicht bekamen. Eine echte Besichtigung machten wir dann erstmals in der Escuela Primaria „Jose Luis Caballero“ im Barrio Marianao der CUJAE, wo wir aus direkter Nähe den routinierten Morgenappell der Pionieros beobachten konnten. „Die Schule hat 373 Schüler“, so die Rektorin Anna Luisa, „und die Anzahl pro Schulklasse beträgt ca. 20 Schüler“. Gegründet wurde sie im Jahre 1832 vom Namensgeber der Schule, ein bekannter Philosoph und Pädagoge des 19. Jahrhunderts auf Kuba. Die Direktorin führt weiter aus, dass diese Schule überwiegend von Schülern besucht wird, deren Eltern bzw. Familien nach Havanna gezogen sind, um dort zu arbeiten. Hier im Barrio lebten vor allem Arbeiterfamilien, die in der jetzt nicht mehr vorhandenen Zuckerrohrfabrik arbeiteten.

Einige Tage später hatten wir dann ein Treffen mit dem Observatorio Social der Universität der CUJAE. Das ist eine Gruppe von Fachleuten, die in verschiedenen Bereichen qualifiziert sind und die an der Uni soziale Dynamiken der Studenten erforscht.

Im Gespräch mit ihnen zeigten sich viele Unterschiede zwischen den Bildungssystemen in der BRD und in Kuba. Zu einem wäre da, dass die Primarstufe bzw. Grundschule in der BRD vier Jahre und auf Kuba sechs Jahre dauert. Dabei müssen sich die Schüler in der BRD bekannterweise entscheiden – je nach Leistung – in was für eine weiterführende Schule sie gehen wollen. Dies ist für die Kinder oftmals mit hohem Leistungsdruck verbunden, weil sich für sie früh entscheiden kann, was für eine schulische und berufliche Zukunft vorgegeben wird und die Schüler bereits nach guter oder schlechter Schulleistung selektiert werden. Oft zeigt sich dann der soziale Klassenunterschied, denn die Kinder, die die besten Chancen haben, auf höheren Schulen ihre Schullaufbahn fortzusetzen, kommen meistens aus wohlhabenderen Familien. In Kuba bleiben alle Regelschüler, egal welches Leistungsniveau sie haben, bis zur neunten Jahrgangsstufe zusammen. Diese Jahrgangsstufen setzen sich aus der erwähnten Primarstufe bis zur 6. Klasse und der Sekundarstufe, die von der 7. bis zur 9. Klasse geht. Der Vorteil ist dabei, dass die Klassen als ganzes bestehen bleiben und so allen Schülern ermöglicht wird, einen Abschluss zu erreichen, um in die Oberstufe zu gelangen und dann später an einer Universität studieren zu können oder eine Technische Berufsausbildung (Educación Técnica Profesional) zu absolvieren. Sowohl die Oberstufe (Preuniversitario) als auch die Technische Berufsausbildung absolviert man von der 10. bis zur 12. Jahrgangsstufe. Für die Oberstufe kann man sich in fünf verschiedene Fachrichtungen einschreiben, die sich in drei Schwerpunkte aufteilen:

  • Medizinische, landwirtschaftliche, biologische und physikalische Kulturwissenschaften
  • Technische, naturwissenschaftliche und mathematische Wissenschaften 
  • Sozial-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften und pädagogische Wissenschaften

Mit der Wahl einer dieser Fachrichtungen entscheiden die Schüler dafür, was für einen Studiengang sie später wählen möchten. Für die Technische Berufsausbildung gibt es die allgemeine und grundlegende Ausbildung zu den jeweiligen Berufen, die sie erlernen können und die dazu gehörenden technischen Fächer. 

Eine andere Möglichkeit ist, dass man spezielle Prüfungen oder Kurse absolviert, um eine Zulassung zum Studium zu bekommen. Das ist auch für Kubaner möglich, die bereits arbeiten und sich entschieden haben, nochmal zu studieren bzw. sich weiterzubilden. Diese können an sogenannten „Weiterbildungstreffen“ teilnehmen. Anders als in Deutschland, wo man für eine Abendschule oder ein Privatstudium viel Geld bezahlen muss, übernimmt hierfür auch der Kubanische Staat die kompletten Kosten der Studierenden und garantiert eine kostenlose Weiterbildung für alle Bürger des Landes. 

Eine Unterhaltung über Bildung auf Kuba mit dem Observatorio Social

„Und wie läuft das eigentlich mit der Inklusion in Kuba?“, fragen wir Fermín vom Observatorio Social. Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung erhalten eine heilpädagogische Förderung, in dem sie auf spezielle Einrichtungen gehen und ihren Bedürfnissen entsprechend unterstützt werden. Auch für sie gilt, wie für die Regelschüler, eine Schulpflicht bis zur 9. Jahrgangsstufe. Dabei ist es nicht wichtig, wie oft man eine Jahrgangsstufe wiederholt. „Wichtig ist,“ so Fermín, „dass diese so lange die Möglichkeit haben, die Schule zu besuchen, bis sie ihre Pflichtschuljahre vollenden konnten.“ In diesem Zeitraum werden sie entsprechend Ihrem Lerntempo von mehreren pädagogischen Betreuern unterstützt und ins Zentrum des Interesses aller gerückt, dass der Schüler seinen Abschluss schaffen kann. Wichtig ist, in der kubanischen Inklusion, dass jedes Kind und jeder Jugendlicher in seiner Entwicklung ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist und dass das auch in Einrichtungen vermittelt wird.

Ein weiterer Bestandteil des kubanischen Bildungssystem ist, dass dieses im Gegensatz zu dem Deutschlands staatlich zentralisiert ist. „Wie verhält es sich mit öffentlicher und privater Bildung in Kuba und in Deutschland?“, war eine Frage, die in der Runde unter anderem auch diskutiert wurde. Von kubanischer Seite aus wollten sie wissen, wie sich das mit den öffentlichen und privaten Schulen verhält. Wieso haben Kinder/Jugendliche, die auf eine Privatschule gehen, mehr Vorteile und bessere Chancen einen guten Schulabschluss zu erreichen? Wer eine private Schulbildung in der BRD genießt, der hat grundsätzlich bessere Voraussetzungen, später einen Studienplatz zu bekommen. Das Resultat davon ist, dass eine soziale Klassenspaltung stattfindet. Und in Kuba? Hier gibt es keine Privatschulen. Alle Kinder/Jugendlichen besuchen die gleichen staatlichen Schulen, was zu Folge hat, dass alle die gleichen Bildungschancen haben und es zu keinen Klassenunterschieden kommt.

Wie wichtig auf Kuba die allgemeine Bildung ist, zeigt sich auch in Statistiken. Der kubanische Staat investiert mit knapp 13 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) soviel wie kein anderer Staat weltweit in Bildung. Im Vergleich: In Deutschland sind es nur 4,2 Prozent des BIP. „In Kuba haben wir noch viele ungelöste Probleme, aber das, was wir uns nicht wegnehmen lassen, ist unser kostenloses Bildungssystem für alle“, so die Aussage einer unserer Gesprächspartner. Und weiter: „Auf Kuba bleibt Bildung ein Recht für alle, auch wenn nicht alles perfekt ist und es noch Verbesserungsbedarf geben könnte, halten wir an unserem System fest. Bei uns kommen die Menschen in allen wichtigen Lebensbereichen an erster Stelle.“

Dieser Artikel ist von Gabriel, hier geht es zu mehr Artikeln von ihm.

Ein Gedanke zu „Eins für alle: Das Bildungssystem in Kuba“

  1. Buenos dias!
    Schöner Beitrag. Kuba ist bemüht den Bürgern ein gutes Schulsysthem zu geben!
    Auch in Deutschland sind die Schulen vom Staat finanziert bzw. die Lehrer vom Staat bezahlt und es gibt nur einen geringeren Anteil Privatschulen.
    Eviva Kuba!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.