Felicidades liebe Frauen – holen wir uns die Straße!

„Felicidades“ – werden wir Frauen heute begrüßt. Es ist der 8. März in Kuba und hier werden die Frauen im Bus der CUJAE das ganze Jahr über als erste in den Bus gelassen, daher fällt das am 8. März gar nicht auf. Zu diesem Anlass wollen wir in Kuba einen Einblick bekommen, wie der 8. März aussieht.

Um uns den „Día de la Mujer“ in Kuba anzusehen, fahren wir in die Stadt auf eine Festveranstaltung. Die Veranstaltung findet in einem Amphitheater mitten in Havanna statt. Man steigt die Treppen in das Amphitheater hinab und ist umgeben von türkis. Einige Elemente sind rot akzentuiert, der Ort fügt sich schön ein, in die ihn umgebenden Bäume.

Das Amphitheater hat eine Bühne, auf der eine riesige Leinwand steht, auf der Musikvideos laufen. Während die Technik eingestellt wird, packen andere kräftig an, um die Bühne und das Amphitheater fertig aufzubauen. Trotz der vielen Dinge, die zu tun sind, nehmen sich die Veranstalter Zeit, um uns zu empfangen. Die Veranstalter sind die „Pañuelos Rojos“ und einer von ihnen, Pepe, wird uns den Abend über begleiten, falls wir Fragen haben oder etwas benötigen. Wir sollen auch direkt unser Proyecto-Banner aufhängen und werden von allen herzlich empfangen.

Die Veranstaltung beginnt. Über die große Leinwand auf der Bühne wird unter anderem an die brasilianische Stadträtin und Menschenrechtsaktvistin Marielle Franco erinnert, die sich für mehr Partizipation von schwarzen Frauen in der brasilianischen Gesellschaft einsetzte. Nach dem Video zu Marielle Franco wird eine Bewegung von Frauen gezeigt, die sich für die Legalisierung der Abtreibung, für ein Recht auf Lust, für den Zugang zu Verhütungsmitteln, Aufklärung und ein Leben ohne Gewalt in Argentinien einsetzen, die „Marea Verde“ (Grüne Flut).

Mit Grußworten von Frauen aus aller Welt, die die Revolution in Kuba unterstützen und die Relevanz des Kampfes um die Gleichberechtigung und die Einheit betonen, wird der Abend noch internationaler. Die gemeinsame Parole der Frauen lautet: „Por eso – yo soy cuba“ („Deswegen-bin ich Kuba“). Vielfältig sind die gezeigten Aufnahmen, vielfältig ist aber auch schon das Publikum. In der Menge befinden sich Frauen, Männer und Kinder jeglicher Hautfarbe.

Hinter uns sitzt die Gruppe – „TransCuba“, die sich seit zwanzig Jahren dafür einsetzen, dass Trans-Personen in der Gesellschaft mehr Anerkennung bekommen. Anerkennung spüren sie in Kuba bereits jetzt, sagt Jade Montier, mit der ich mich unterhalte. Die Anerkennung diverser Formen von Familie, als Mama, Papa und Kind hat damit wesentlich zu tun, sagt sie. Die Gruppe ist selbstbewusst und zahlreich auf der Veranstaltung vertreten.

Der Abend geht weiter mit einem Theaterstück von den Pañuelos Rojos. Thema des Theaterstücks sind die Rollen von Männern und Frauen. Frauen werden dazu erzogen, nachts Angst zu haben, weil die Straße den Männern gehört, sagen die Pañuelos Rojos. Auch wird hinter ihnen hergepfiffen, als seien sie Hündchen. Die Frauen holen sich in diesem Theaterstück laut und mit viel Humor die Straße zurück. Die Straße gehört nicht den Männern, sagen sie, die Straße gehört allen. In Dialogen und Sprechchören („Nieder mit dem Patriarchat“) wird das Publikum mitgenommen in den Kampf. Das Stück klingt aus mit der Einladung an alle Frauen über 70 Jahre auf die Bühne zu kommen. Auf der Bühne wird ihnen für ihre Arbeit in der Revolution mit einem roten Halstuch (ebenjenes Pañuelo rojo) gedankt und ihnen wird mit einer Verbeugung der jungen Frauen symbolisch Respekt erwiesen. Die Frauen tragen alle rote Halstücher, sowohl auf der Bühne wie auch im Publikum. Aber nicht nur die Frauen, auch die Männer und Kinder tragen die Halstücher, als Zeichen der Unterstützung.

Die Pañuelos Rojos sind eine Gruppe, die sich für das Ende der Blockade der USA einsetzt, die sich für den Frieden einsetzt, die die Revolution unterstützt und sich am 8. März für den kämpferischen internationlen Frauentag engagiert, erzählt Pepe. Die Pañuelos Rojos sind keine staatliche Organisation, sondern eine Zusammenkunft von Personen. Die Unabhängigkeit vom Staat bedeutet für Pepe aber nicht, dass er Kuba und den kubanischen Staat nicht unterstützt. Die Pañuelos Rojos unterstützen die Revolution und sehen in ihrer Organisationsform einen Weg, sie zu unterstützen. Das kubanische System und den Staat in Kuba unterstützt Pepe vollkommen.

Die Veranstaltung im Amphitheater endet mit meinem persönlichen Höhepunkt des Abends:

Eine Musikgruppe von Frauen, die traditionelle afrikanische Musik spielen, die „Obinibatá“. Ihr Instrument, die Batá-Trommel, wurde von den Sklaven gespielt, sagt Pepe. Die Gruppe besteht aus fünf Frauen, die abwechselnd spielen oder zu der Musik in beeindruckenden Kostümen tanzen. Diese Musik ist traditionell nur von Männern gespielt worden – heute Abend beeindrucken uns die Frauen mit der sehr kraftvollen, rhythmisch vielfältigen, abwechslungsreichen, fröhlichen und für mich sehr neuen Musik. Mit dieser Stimmung endet der Abend.

Wir machen uns auf den Heimweg. Ich bin gespannt, wie ich die Frauen erleben werde, die in einem Land aufwachsen dürfen, in dem sie 50 Prozent der Nationalversammlung stellen und in dem mehr als 50 Prozent der Richterinnen Frauen sind. Trotz einer Blockade von immensem Ausmaß, verliert Kuba nicht den Blick fürs Wesentliche. Ohne Sozialismus keine Befreiung der Frau – ohne Befreiung der Frau kein Sozialismus, wie die russische Revolutionärin Alexandra Kollontai schon sagte.

Dieser Artikel ist von Lara, hier geht es zu mehr Artikeln von ihr.

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