Irgendwann schaffen wir es nach Cuba!

royecto Gruppe September 2021 zu ihrem Wochenende vom 23.-25,7.2021

Vom 23.-25.Juli hat sich unsere Gruppe das erste Mal in Präsenz getroffen, in einem Bootshaus der Naturfreunde, in Stockstadt am Rhein. Organisiert wurde das vom Orgakreis der ehemaligen Teilnehmer*innen des Proyecto – den Bunkistas. Wir fühlen uns aber bereits auch schon wie Bunkistas – Grund dafür ist unsere Verbundenheit mit dem Proyecto seit über einem Jahr. Einige von uns haben schon zweimal den Anlauf gewagt und alle Hoffnungen darein gesetzt, trotz Corona für 7 Monate Kuba kennelernen zu können. Die globale Pandemie geht allerdings auch an Cuba nicht spurlos vorbei.

Untergebracht werden wir im Proyecto in der Regel in einem Wohnheim auf dem Gelände der Polytechnischen Universität von Havanna, der CUJAE. Das Wohnheim, wie auch viele andere Wohnheime in Universitäten, wird aber aktuell für die Betreuung von Patienten oder Quarantäneaufenthalte genutzt, und so ist es selbstverständlich wichtiger, dass der Quarantänebereich der CUJAE weiterhin für Covid-Erkrankte bestehen bleibt.

Unser Vorbereitungstreffen im Mai hatte angesichts der Corona-Lage leider online stattfinden müssen. Dieses Mal wollten wir neuen Bunkistas uns unbedingt in Präsenz treffen.

Aber endlich angekommen am Bootshaus wurden wir von den „alten“ Bunkistas empfangen und die Bootshauswirte Bärbel und Andreas begrüßten uns herzlich mit kleinen Kuba-Flaggen aus Papier auf optional veganen Burgern. Welch ein solidarischer Luxus!

Der Empfang und das erste Kennenlernen, bei einem kühlen Getränk am Altrhein ging dann bis in die späten Stunden. Schließlich war die Gruppe von überall aus Deutschland angereist.

Am Samstagmorgen haben wir uns dann über die Lage auf Kuba unterhalten – die Corona-Lage, die politische Lage und die Lage des Proyecto. Gerade weil es aktuell für uns leider kaum nicht möglich sein wird, im Rahmen des Proyecto nach Cuba zu reisen, wollen wir hier solidarisch mit den Kubaner*innen sein. Julián, der Proyectokoordinator der CUJAE, der auf Cuba für uns zuständig ist, hat uns übermittelt, wie sehr er es bedauert, dass unser Abflug leider auf vorerst unbekannte Zeit verschoben wird. So lange, bis es Kuba ermöglicht wird, die Coronakrise in den Griff zu bekommen. Denn trotz eigener Impfstoffentwicklung wird das Land weiterhin sehr stark von der US-Blockade gehemmt, weshalb es z.B. an Spritzen und Beatmungsgeräten fehlt.

Passend dazu haben wir unsere kleine Padeltour auf dem Altrhein neben dem Teambuilding Aspekt als Mission genutzt; ein Foto auf dem Wasser in unseren Booten im Rahmen der #unblockCuba soli-Aktion (siehe https://www.unblock-cuba.org).

Anschließend haben wir eine Video-Konferenz mit einem bekannten kubanischen Journalisten gemacht – Jorgito aus Camagüey, den auch die ein oder andere Person hier in Deutschland aus dem Film „Die Kraft der Schwachen“ kennt. Jorgito gab uns Einblicke in die politische Lage auf Kuba und über den aktuellen Stand der kubanischen Impfkampagne informiert, die so langsam Fahrt annimmt. Anschließend durften wir ihn mit unseren Fragen löchern – über die Proteste der letzten Wochen, die hier in den Medien so dargestellt werden, als wäre der Großteil der kubanischen Bevölkerung gegen die kubanische Regierung. Das stellte Jorgito wesentlich differenzierter dar – dass er die USA als treibende Kraft hinter einigen der Proteste sieht. Er hat gleichzeitig aber auch von den Schwierigkeiten Kubas erzählt, weshalb manche Menschen in Kuba auf die Straße gehen.

Den Abend nutzten wir an der Feuerschale, um uns mit den ehemaligen Bunkistas über ihre Erfahrungen aus ihrer Zeit in Kuba auszutauschen und uns besser kennen zu lernen.

Am Sonntag hatten wir ein weiteres Gespräch, diesmal mit der Stellvertreterin des kubanischen Botschafters in Berlin, Ivet López. Sie erläuterte uns, dass man die Menschen, die aktuell auf Kuba protestieren, in drei Gruppen einteilen könne – Menschen die unzufrieden sind, weil sie sich aufgrund der Ausnahmesituation durch den heftigen Ausbruch der Covid-Delta-Variante, der Zusammenführung der zwei cubanischen Währungen und der andauernd schlechten Versorgungslage durch die US-Blockade, nicht ausreichend Lebensmittel und andere Konsumgüter leisten können. Diese Leute haben keinen grundlegenden Widerspruch zur sozialistischen Regierung und ihrer Politik. Die zweite Gruppe der Kubanerinnen, die aktuell auf die Straße gehen, sind Konterrevolutionärinnen, die mit Ihrem Protest versuchen, den kubanischen Sozialismus weiter zu destabilisieren, vermischt mit einer dritten Gruppe, die aus den USA finanziert wird, um den Protest anzufachen, zu befeuern und eine weitere Strategie im Kampf gegen den Sozialismus zu bedienen. Diese Gruppierungen sind nach Ivet allerdings nicht in dem Ausmaß vertreten, wie es in den westlichen Medien dargestellt wird.

Nichtsdestotrotz finden wir es absolut legitim auch in Kuba auf die Straße zu gehen. Wir sind uns auch sicher, dass die kubanische Revolution mit konstruktiver Kritik gut umgehen kann und es versteht, an ihr besser zu werden und Lösungen zu finden. Die Cubaner*innen machen natürlich auch Fehler, aber sie verteidigen Ihr Recht, ihre Fehler selbst zu machen, gegen Einmischungen von Außen.
Zum Abschluss unseres Wochenendes verfassten wir eine kleine Videobotschaft an Julián, mit solidarischen Grüßen und ganz viel Vorfreude, denn: Irgendwann schaffen wir es nach Cuba!

3 Gedanken zu „Irgendwann schaffen wir es nach Cuba!“

  1. Liebe Freunde,
    Ich wünsche Euch viel Erfolg, gute Reise und viele liebe Freunde in Cuba .Liebe Grüße an IRIS beim ICAP Santa Clara und dort an Bolivia Tamara besonders die Cuban five ,Fernando Gonzalez in Havanna.
    Ich freue mich über Eure Initiative und grüße alle recht herzlich.
    Elisabeth Dietze(82J.)
    Freundin von Tamara Bunke

    1. Liebe Elisabeth Dietze,
      dein Kommentar hat mich neugierig gemacht. Ich bin Johanna Kaiser und Prof. für Sozialkulturelle Arbeit an der Alice Salomon Hochschule in Berlin. Zur Zeit habe ich ein Forschungssemester und plane gerade meine Reise nach Cuba. Mein Interesse gilt besonders deutschen Frauen, die nach Cuba gegangen und dortgeblieben sind, denn ich finde diese Biographien sollten nicht in Vergessenheit geraten. Mit meiner Kollegin Eva Bittner habe ich vor vielen Jahren das Theater der Erfahrungen aufgebaut https://theater-der-erfahrungen.nbhs.de:/, auch hier haben wir Erfahrungen auf die Bühne geholt, einige Filme dazu findest du auf der Webseite unter Filmen, falls es dich interessiert. Ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt kämen, ganz herzliche Grüße, Johanna

  2. Joseph Goldinger, Grandson

    Vielen Dank für diese wertvollen Informationen. Wir werden ja in allen Medien nur mit US-gesteuerten Murdoch-Informationen beliefert.
    Wird Joe Biden endlich, da ja das traurige Kapitel Afghanistan zu Ende gegangen ist, die Abwürgestrateigie des Trumpeltiers, aufhören und Cuba als eigenständiges Land akzeptieren, welche alle wirtschaftlichen und politischen Strangulationsversuche zum Glück einigermassen überlebt haben. Wenn ich mir überlege, wie oft ja die sonst so treffsichere Todesmaschinerie es nicht schaffte, diesen bösen, sozialistisch-kommunistischen Fidel Castro umzubringen, so kann man ja schon fast von einem Wunder sprechen, dass die cubanische Revolution einigermassen all die gleichartigen US-Präsidenten überstanden hat. Leider scheint auch mein Namensvetter nichts aus der Geschichte gelernt zu haben, oder er ist eben auch total, wie alle Vorgänger, vom militärisch-industriellen Block ferngesteuert.

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