Aus der Beitragsreihe zur Pandemie auf Kuba: Pablo Miguel García, 22, Artemisa, Provinz: Pinar del Río

Pablo Miguel García, 22, Artemisa, Provinz: Pinar del Río

Wir Kubaner*innen befinden uns in einer schwierigen epidemiologischen Situation, jeden Tag werden ca. 800 neue Corona-Fälle gemeldet: gemessen an der Einwohnerzahl eine hohe Quote. Dennoch befolgt die Mehrheit der Menschen die etablierten Maßnahmen, andere weniger. Alle angesteckten Patient*innen werden unverzüglich behandelt und viele der positiv getesteten Kontakte werden in die Isolationszentren geschickt, um dort versorgt und überwacht zu werden. Wir haben eine erste Etappe hinter uns gebracht, in der man es schaffte, die Zahl der positiven Fälle auf nahe Null zu reduzieren, wir erreichten so zwischenzeitlich eine neue Normalität.

Doch zwei Monate später fielen wir aufgrund der Öffnungen, dem Verzicht einiger auf das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung, auch der Wiedereröffnung der Flughäfen etc. wieder zurück. Aber genau dies war und ist nach wie vor eine Notwendigkeit in diesen Zeiten, da es sonst keine (wirtschaftliche) Entwicklung und Produktion in ausreichendem Maße geben kann.

Wir sind abhängig vom Tourismus und den Importen. In dieser schwierigen Situation hat die Regierung radikale Veränderungen in der Ökonomie veranlasst: Währungsreform, Gehälter und Preise. Dies führt dazu, dass einige Bürger*innen sich besorgt und verunsichert angesichts dieses Wandels zeigen. Meiner Meinung nach waren diese Veränderungen jedoch notwendig, wenn ich auch nach und nach zu dem Schluss komme, dass es vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt war. 

Obwohl wir in einer ruhigen Gesellschaft leben, in der Frieden, das Lächeln der Menschen und die Abwesenheit von Gewalt dominieren, gibt es auch Mangel an wichtigen Produkten und Lebensmitteln. Sie fehlen teils nicht nur, sondern manche haben auch einen (zu) hohen Preis. Nichtsdestotrotz stirbt kein*e Kubaner*in an Hunger, es wird von der Regierung auch niemand hilflos und schutzlos zurückgelassen. Die Elektrizität und das Wasser werden nicht eingeschränkt. 

Gewiss ist, dass die Situation schwierig ist, wie sie es an vielen Orten auch ist; hier vielleicht noch stärker wegen der schwachen Ökonomie und damit verbunden der us-amerikanischen Blockade, die nicht die Ursache aller Probleme ist, aber doch einen entscheidenen Einfluss auf viele Probleme hat. Es werden Gesetze in verschiedenen Sektoren und besonders in der Wirtschaft angewendet. Mit manchen bin ich nicht einverstanden und bei anderen bin ich skeptisch, ob sie erfolgreich sein werden. Ich hätte mir gewünscht, dass man die Bevölkerung mehr hätte miteinbeziehen und sich verschiedene Meinungen hätte anhören sollen, um anschließend die Maßnahmen umzusetzen. 

Ich bin stolzer Kubaner, glücklich es zu sein. Selbst wenn ich mit manchen Dingen unzufrieden bin, erwarte ich mit Hoffnung, dass sich die Situation bessert. Sobald die Pandemie überwunden ist, steigt hoffentlich ebenfalls die Lebensqualität wieder und das Land kommt voran. Aber um das zu erreichen, müssen wir alle gemeinsam den  gleichen Pfad einschlagen und die richtige Mentalität an den Tag legen, sowohl die Regierung als auch das Volk. 

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