Bienvenidos a Cuba
Strahlende Sonne, Palmen im Hinterhof, Cocktails am Strand und immer mindestens 20 Grad und das alles in einem sozialistischen Land…
Das hört sich nach einem absoluten Traum an. Vor allem wenn man im kalten Deutschland bei Minusgraden friert. Seit Monaten fieberte unsere kleine Gruppe nun darauf hin, all das endlich am eigenen Leib zu erfahren. Und dann, am 01.02.2026 war es endlich so weit: Wir drei sind auf Kuba gelandet.
Um 01:30 Uhr in der Früh kamen wir in Havanna an und wurden direkt von Mitgliedern des ICAP (Instituto Cubano de Amistad con los Pueblos) und der FLACSO (Facultad Latinoamericana de Ciencias Sociales) abgeholt und zu unserem neuen zu Hause gefahren. Dort hat uns unsere Vermieterin erstmal unsere Zimmer gezeigt. Wegen der späten Stunde ist jedoch nicht viel weiter passiert und wir haben uns alle mehr oder weniger ausgeschlafen. Am nächsten Tag durften wir direkt die ersten Auswirkungen der US-Blockade mitbekommen: ein Stromausfall, welcher fast den ganzen Tag anhielt. Seit wir hier sind, gibt es jeden Tag Stromausfälle, wobei diese in ihrer Dauer stark variieren. Manche dauern nur zwei bis drei Stunden, wogegen wir an anderen Tagen kaum Strom haben.
Auch aus der Luft, als wir noch im Flugzeug waren, konnten wir die Auswirkungen der Energiekriese erahnen. So sind wir bei unserem Flug über die Ostküste von Kanada und den USA geflogen und waren trotz der späten Stunde fast geblendet von den Lichtern der Städte. Wogegen Kuba von oben zum Großteil dunkel war, da das Land nicht so verschwenderisch mit den wenigen Ressourcen die es hat umgehen kann.
Unsere ersten Tage waren sehr entspannt und wir konnten sie nutzen, um erste Einkäufe zu tätigen und auch unseren Betreuer und Professor kennenzulernen. Dieser hat uns dann auch direkt unseren ersten Auftrag gegeben: Jede von uns erhielt ein Buch über die Geschichte Lateinamerikas auf Spanisch, welches wir nach und nach durcharbeiten sollen. Seitdem sind diese Bücher unsere treuen Begleiter.
Auch wenn es für die Kubaner bei gerade einmal 20 Grad noch ziemlich kalt und winterlich war, haben wir die ungewohnte Wärme direkt genossen und wurden nicht nur einmal gefragt, ob uns in unserer leichten Kleidung nicht kalt sei.
Innerhalb unserer ersten Woche haben wir auch schon viel erkundet und gezeigt bekommen. An einem Tag zum Beispiel wurden wir in das Gebäude der FLACSO eingeladen, wo wir einem Vortrag über die aktuelle Lage Kubas, bezüglich der Bedrohung durch die USA lauschen durften.
Am nächsten Tag wurde uns dann die Universität gezeigt und wir haben verschiedene Professoren, Mitglieder der FEU (Federación Estudiantil Universitaria) und unsere beiden Spanischlehrerinnen kennengelernt. Zusammen mit letzteren und einer Gruppe aus internationalen Spanischlernenden sind wir dann in ein Eiscafé gegangen, welches auch zum Teil Kunstgalerie ist. An den Wänden hängen viele verschiedene berühmte Gemälde, darunter welche von Frieda Carlo und Van Gogh.
Am selben Tag haben wir dann noch an einer Führung durch das Hotel Nacional de Cuba teilgenommen. Dieses ist das einzige 5 Sterne Hotel auf der Insel und es ist komplett in staatlicher Hand. Dort haben wir erfahren, dass schon verschiedenste Berühmtheiten aus der ganzen Welt in diesem waren, darunter Udo Lindenberg, Maradona, Juri Gagarin, wichtige Staatschefs und Regierungsmitglieder aus verschiedensten Ländern und viele mehr.
Das Wochenende haben wir dann genutzt, um uns noch ein bisschen mehr von Havanna anzuschauen, darunter den Plaza de la Revolución und das Capitolio, bevor dann am Montag der Spanischkurs starten sollte.
Jedoch mussten wir erfahren, dass die meisten Kurse an der Uni vorerst online stattfinden werden. Dies liegt vor allem daran, dass Kuba wegen der US-Blockade und den hohen Strafzöllen die Trump verhangen hat, Probleme hat Öl zu bekommen. Deswegen funktioniert z. B. der Transport zur Uni und die Stromversorgung Vorort nur eingeschränkt. Wie es in den nächsten Wochen genau weitergeht ist immer noch unklar, da unsere Betreuer und Professoren dabei sind neue Pläne für uns zu entwickeln. Bisher bestehen unsere Hauptaufgaben darin, das Buch durchzuarbeiten. Außerdem schrieb uns unser Professor, dass wir doch unsere Zeit nutzten sollen, um Winteraktivitäten nachzugehen. Da wir jedoch keine richtige Vorstellung von kubanischen Winteraktivitäten haben, haben wir das gemacht, was man in Deutschland bei solchen Temperaturen tun würde. Also am Strand liegen und baden gehen.
Nach einer Woche mit online Unterricht haben wir unser zweites Wochenende genutzt, um uns den Kulturbereich auf Kuba etwas näher anzuschauen. So waren wir am Samstag, den 14.02, im Teatro Nacional de Cuba und durften uns die Weltpremiere von „Waves and Edges“ anschauen, welche von der Compañía de Danza Contemporánea de Cuba aufgeführt wurde. Sowie ein zweites Stück namens „Consagración“. Beides waren sehr eindrucksvolle Tanzchoreografien, welche ausschließlich durch die Musik und den Tanz ihre Geschichten erzählt haben. Wir alle waren sehr begeistert und sind uns sicher, dass dies nicht unser letzter Besuch dort sein wird.
Der 14.02 ist auch in Kuba ein Feiertag: El Día del amor y la amistad. Jedoch steht nicht nur die romantische Liebe im Fokus, sondern auch die zwischen Freunden und der Familie. Der Tag wird hier zu Lande genutzt um Zeit mit diesen zu verbringen. Dies haben wir auch im Teatro gesehen, denn dort waren nicht nur Liebespaare, sondern auch viele junge Freundesgruppen.
Abschließend lässt sich sagen, dass wir schon in unseren ersten paar Wochen gemerkt haben, dass die Kubaner es mit ihren Plänen zur Tagesgestaltung nicht so ernst nehmen. Es wird viel in den Tag hineingelebt und wenn sich etwas Besseres ergibt macht man dieses stattdessen.
Alle Leute sind sehr nett und geben sich Mühe für uns langsam zu sprechen, da der kubanische Dialekt doch sehr schnell und teilweise undeutlich ist, was für uns als Sprachanfänger doch noch einige Probleme darstellt. Wenn wir jemand kennenlernen, werden wir eigentlich immer gefragt, ob wir Spanisch sprechen. Viele, die uns fragen, schlagen dann auch direkt als Antwort más o menos (mehr oder weniger) vor, wobei wir feststellen mussten, dass más menos (mehr weniger) momentan leider noch mehr zutrifft. Weswegen dieses nun zu unserer scherzhaften Standartantwort geworden ist.
Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt, was Kuba sonst noch so für uns bereithält und freuen uns auf das was noch kommen wird!