Wirtschaft

Bildungssysteme im Vergleich: Cuba, Finnland, Deutschland

Warum der Sozialismus sein Volk allumfassend bildet

Dass das cubanische Bildungssystem eins der besten weltweit ist, ist unstrittig – die Daten und Fakten, die verschiedenste Organisationen, Länder und Universitäten gesammelt haben, sind eindeutig. Egal, ob es um den kostenlosen Zugang zum Bildungssystem, die niedrigste Analphabetenrate der Welt oder den hohen Anteil an Doktortiteln und WissenschaftlerInnen im cubanischen Volk geht. Es ist klar, dass die CubanerInnen eins der gebildeten Völker der Welt sind und das, obwohl sie ebenfalls zu den ärmsten Ländern der Welt gehören. In meinem Lehramtsstudium war Finnland das Maß der Dinge, aber es wurde immer betont, dass das skandinavische Land ein sehr reiches ist und deswegen die finnischen Erfolgsrezepte nicht so einfach auf andere Länder übertragen werden können. Man stelle sich nur vor, Cuba ständen die finanziellen Mittel Finnlands oder der BRD zur Verfügung. So gesehen, müsste Deutschland viel eher ein soziales Bildungssystem haben als Cuba, da Cuba – ökonomisch gesehen – noch immer in der Liga der Entwicklungsländer spielt. Aber wo hat das finnische Bildungssystem seine Wurzeln und ist es ein Zufall, dass Länder wie die USA und Deutschland so ein schlechtes Bildungsniveau haben, während das sozialistische Cuba alles für die Bildung der Bevölkerung tut?

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Steht Cuba vor dem Ausverkauf? Teil 1

Eine kurze Abhandlung über Cubas Außenpolitik nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Ostblocks

Cuba und die EU

Fidel Castro, der Revolutionsführer der für einige als das letzte Relikt des kalten Krieges gilt und schon hundertfach totgesagt wurde, lächelt qicklebendig von den Auslagen der Zeitungsstände. Sogar eine ganze Fotoserie widmet sich ihm und seinem hochrangigen Besuch. Er empfängt niemand Geringeren als Francois Hollande, den Präsidenten Frankreichs, der mit einer Wirtschaftsdelegation und sieben Ministern angereist ist. Fidel, der sich 2006 aus gesundheitlichen Gründen von seinen politischen Ämtern zurückgezogen hat, kommt damit der Bitte Hollandes nach, der sich ein persönliches Treffen ihm gewünscht hatte. Doch nicht nur der französische Staatschef ist auf Reisen. Sein cubanisches Pendant Raúl Castro besuchte in der letzten Woche im Rahmen seiner Europareise einige wichtige europäische Staaten. Er nahm z.B. an der Siegesparade über den Faschismus in Moskau teil, sprach mit den Staatschefs Russlands und Italiens und scherzte mit dem Papst.

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Stromeinfall statt Stromausfall

Zwang zu Vegetarismus, Gartenbau und langen Wanderungen – Berichte aus der Spezialperiode

„So dünn waren wir damals“. Katherine hält die Hand in die Luft, zur Faust geballt und spreizt den kleinen Finger ab. „Schließlich sind wir überall mit dem Fahrrad hingefahren“. Der Ventilator rattert, doch der Schweiß steht uns auf der Stirn. Eigentlich haben wir beide schon längst andere Verabredungen, das hält uns aber nicht davon ab noch einen Kaffee von nebenan zu holen und ich höre Katherine gebannt zu. Sie erzählt mir von ihren persönlichen Erlebnissen während der Spezialperiode auf Cuba, von der Stimmung im Land und von ihrer Familie. Sie ist ein Kind der Revolution, sagt sie. In den 60er Jahren geboren, ist sie in der Blütezeit des cubanischen Sozialismus aufgewachsen. „Damals, in den 80ern, haben meine Eltern nur ein Drittel von dem verdient, was wir heute bekommen und trotzdem sind wir als Familie ein Mal die Woche ins Restaurant gegangen.“ Eine ähnliche Geschichte erzählt mir Alejandro, ein pensionierter Anwalt. Er und seine Frau hätten damals in den 70ern ein großartiges Leben geführt. Jedes Jahr konnten sie in die schönsten Hotels in den Urlaub fahren, konnten sich viele schöne Dinge leisten und haben es sich gut gehen lassen. Heute haben sie ihr Haus in eine Casa Particular umgebaut und vermieten Zimmer an Touristen. „Obwohl wir heute unseren eigenen kleinen Betrieb haben, können wir noch lange nicht so gut leben wie damals!“ Und das muss was heißen, denn die Besitzer von Casas Particulares werden nicht selten als die neue Oberschicht der cubanischen Bevölkerung bezeichnet.

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Sport ist ein Recht des Volkes

Sport ist auf Cuba weit verbreitet und schafft Zusammenhalt in der Bevölkerung

Für die cubanische Bevölkerung hat der Sport einen besonders hohen Stellenwert und ist heute zu etwas alltäglichem geworden. Auf jedem grünen Fleck sieht man Jugendliche Baseball, auf den Plätzen Basketball und auf den Straßen Fußball spielen. Wenn es keinen Platz gibt, wird improvisiert. In den Parks treffen sich ältere Frauen zu Thai Chi, vor vielen Häusern spielen Männer Schach und überall in der Stadt sind kleine Zirkel aus Kraftgeräten aufgebaut. In den Universitäten gibt es diverse Sportspiele und cubanische Leistungssportler sind international sehr erfolgreich. Große internationale Sportereignisse werden von der sportinteressierten Bevölkerung gespannt vor dem Fernseher verfolgt – es wird mit gefiebert, mit gejubelt und mit getrauert. Allerdings sah es vor der Revolution mit dem Sport auf Cuba noch anders aus.

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Fakten statt Emotionen Teil II

Nach Teil I über Bildung und Gesundheit fokussieren wir uns hier auf Fakten im Bereich der Ökologie

Während in vielen Ländern der Regenwald gerodet wird, um den Soja-Anbau voranzutreiben, forstet Cuba auf. 27,3% des Landes sind mittlerweile wieder bewaldet, nachdem in den Jahren der kolonialen Ausbeutung der Regenwald rücksichtslos vernichtet worden war (LINK CUBA LIBRE). Der ,,ökologische Fußabdruck“, welcher sich aus dem ProKopf-Verbrauch an Ressourcen ergibt, wurde mit 150 Nationen abgeglichen. Der Human Development Index hält eine nachhaltige Entwicklung für gegeben, wenn der ökologische Fußabdruck maximal 1,8 Hektar beträgt und der HDI mindestens 0,8. Mit 0,81 auf dem HDI und einem Wert von 1,4 Hektar hat bislang Cuba als einziges Land weltweit diese Werte erreicht. Im Bericht des Global Footprint Networks werden die Hauptverursacher der weltweiten Schieflage klar benannt: EU-Bürger verbrauchen das drei- bis vierfache und US-Amerikaner sogar das 6-fache der ihnen demnach zustehenden Naturressourcen. Ein Resultat dieses Raubbaus an der Natur stellt der von Menschenhand erzeugte Klimawandel dar, dessen verheerenden Folgen sich zum Beispiel in einem Anstieg der weltweiten Naturkatastrophen zeigen. Die immer zahlreicheren und zerstörerischen Hurrikane, welche Cuba immer wieder heimsuchen, richten enorme Schäden an und so war der Staat gezwungen Maßnahmen zur Prävention und zum Schutz der Bevölkerung zu realisieren, die enorme Kosten verschlangen, sich aber als erfolgreich erwiesen haben. Die Vereinten Nationen benannten Cuba als ein hervorragendes Modell im Hurrikane-Krisenmanagement.

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USA vergibt jährlich 20 000 Einwanderungsvisa an Cubaner

Abwerbungsversuche von Fachkräften sowie ihre Folgen

Überarbeitetes Personal, da zu wenig Stellen besetzt sind, neue Aufgabenbereiche, die nicht in die Felder der erlernten Berufe fallen, aber auch große Streiks und Demonstrationen gegen diese Situation, sind in Industrieländern schon lange keine Seltenheit mehr. Eine Ursache für diesen Zustand ist der durch flächendeckende Einsparungen im Bildungssystem verursachte Fachkräftemangel, der weltweit besteht. Doch über die Auswirkungen in Entwicklungsländern wird selten ein Wort verloren. Die wenigsten sind sich den Ausmaßen bewusst, die dieser Zustand mit sich bringt. Denn z.B. Angst davor zu haben nicht medizinisch versorgt werden zu können, da es keine Ärzte gibt, ist für die meisten von uns unvorstellbar.

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„Ein Kinderchirurg braucht Augen wie ein Adler, ein Herz wie ein Löwe und die gefühlvollen Hände einer Dame“

– und kann sich von seinem Gehalt am Wochenende noch nicht mal ein paar Dosen Bier kaufen-

Ich stehe mit den drei Ärzten, Junior aus Cuba, Jakob aus El Salvador und Paola aus Kolumbien  in einer der unzähligen Warteschlangen dieses Landes und führe eine spannende Unterhaltung. Zum Warten in einer Schlange wird hier übrigens „hacer cola“ gesagt. Das heißt so viel wie „Schlange machen“ und hat nichts mit Coca Cola zu tun. Überall wo man hier eine Schlange sieht, gibt es etwas Begehrtes. Z.B. wenn das Hühnchen, welches man mit der Libreta (Lebensmittelkarte) erhält, im Laden an der Ecke angekommen ist oder, wenn man wie in unserem Fall vor einem Telekommunikationsladen wartet. Man kommt in der „cola“ oft schnell ins Gespräch – mit verschiedensten Leuten – so wie auch jetzt mit dem Kinderchirurg Junior, den ich eben erst kennen gelernt habe. Er meint, dass es nicht leicht sei. Sie bekämen alle Notfälle, was verunglückte Kinder aus dem Umkreis von Havanna angeht. Das Schlimmste seien die Familienangehörigen, die oft schon eine Prognose wissen wollen, bevor er sie geben könne. Und dann der zusätzliche Druck, den sie durch alle ihre Fragen aufbauen, vor und nach der Operation. Er sagt:

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Konsumverhalten im Kommunismus

Wie sich die Einkaufsmöglichkeiten er Cubaner von denen der Deutschen unterscheiden

Deutschland: Ins Gespräch mit meiner Freundin vertieft, schlängle ich mich durch die Massen, die an einem Mittwochnachmittag das Einkaufszentrum bevölkern. Die Menschen huschen von Geschäft zu Geschäft, auf der Suche nach einer neuen Eroberung, die in ihren vollen Kleiderschränken noch fehlt, nach dem ultimativen Schnäppchen oder dem neusten Produkt auf dem Markt. Kaum jemandem fallen all die Werbeplakate, Blinklichter und Lautsprecherdurchsagen bzw. zum Kauf anregende Musik auf, die diese Gegenstände anpreisen. Auch ich nehme nichts von all dem wirklich wahr. Mein Gehirn hat längst gelernt alles auszublenden, was im Augenblick nicht elementar erscheint. Nur dem Unterbewusstsein werden dann diese riesigen Brocken an Informationsmaterial vorgeworfen. Wie praktisch, dass hier gleich eine Drogerie ist, schnell schlüpfe ich in das Geschäft und kaufe neues Shampoo. Da ich beim Kauf von 2 Flaschen einen Rabatt erhalte, nehme ich sie alle beide und schwuppdiwupp bin ich wieder draußen. Ohne das Gespräch unterbrochen zu haben, kaufen wir noch ein neues Paar Kopfhörer, einen College Block, eine fransige Jeansweste und probieren verschiedene Paare Schuhe an, gegen die wir uns dann allerdings entscheiden. Stattdessen schauen wir bei einer Eisdiele vorbei und bummeln daraufhin gemütlich mit einer Schokowaffel zur S-Bahn. Der Hülle und Fülle sind keine Grenzen gesetzt. Auf engstem Raum kann man verschiedenste Waren kaufen. Die Vielfalt ist erschlagend.

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Der Mann, der John Lennon die Brille aufsetzt

Über Aktualisierungen und Massenentlassungen

Im Stadtteil Vedado von Havanna, nah der angesagten 17. Straße, sitzt John Lennon auf einer Bank – zumindest könnte man das denken, wenn man Nachts aus dem Club „Submarino Amarillo“ (Yellow Submarine) stolpert.  Steht man tagsüber vor der lebensgroßen Bronzestatue, erhebt sich ein alter Mann von der Bank nebenan, nähert sich mit langsamen Schritten und setzt John Lennon eine Brille mit den typischen runden Gläsern auf. Das ist sein Job, dafür wird er bezahlt.

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